Gedanken zur Traumatherapie

Es gibt nur wenige Dinge für einen traumatisierten Menschen, welche schwieriger sind, als sich für eine Behandlung zu entscheiden. Das ganze Thema ist mit so heftigen Gefühlen verbunden, dass der Gedanke sich mit diesen Gefühlen zu beschäftigen fast unerträglich erscheint. Dieses Wissen gibt mir eine große Hochachtung vor jedem, der es erst einmal geschafft hat – häufig auf Drängen von lieben Freunden -, einen Termin auszumachen und dann auch tatsächlich in die Praxis zu kommen.

3 Ängste:

  • Es wird noch einmal so schlimm wie damals. Die Gefühle sind nicht auszuhalten.
  • Die Angst / Panik & Ohnmacht / Hilflosigkeit ist (erneut) nicht mehr zu stoppen.
  • Angst den Verstand zu verlieren

All diese Ängste sind sehr gut verständlich. Daher schützt sich jeder (bewusst oder unbewusst) durch Vermeiden und Vergessen. Ein Automatismus / Selbstschutzmechanismus, der enorm wichtig ist. Er gibt uns überhaupt erst die Möglichkeit, wieder im täglichen Leben funktionieren zu können. Doch auf Dauer schränkt diese Art der Verarbeitung das Leben sehr ein. Der Alltag bringt leider, trotz allem Vermeiden, immer wieder etwas mit, was uns daran erinnert: Ein Geruch, eine Stimme, eine Bild – und es fühlt sich an, wie ein Blitzschlag. Man wird von heftigen Gefühlen überrollt – häufig ohne zu verstehen weshalb. Eine in dieser Situation leider völlig normale Reaktion.

3 Wünsche:

  • Alles soll so sein wie vorher!
  • Sofort alles vergessen!
  • Nie wieder daran denken!

Diese Wünsche begleiten die allermeisten mit schwierigen Erlebnissen und sind sehr, sehr gut verständlich. Leider sind sie so nicht zu erfüllen. Geschehenes kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Und doch ist das Ziel einer Behandlung, dass Erlebtes einen Platz in der eigenen Geschichte findet, auf den man mit einer Gelassenheit zurück blicken kann. Idealerweise gibt es keine – oder möglichst wenige - Einschränkungen mehr auf das aktuelle und zukünftige Leben. Es soll wieder Freude einkehren und das Leben soll seine Farbpracht zurück erlangen.

3 Gründe:

Warum ein begleitetes (!!) Aufspüren der Erinnerung gut sein kann

  • Es wird durch eigene Erfahrung erlebt, dass Angst reduziert werden kann, ohne dass sie unterdrückt wird.
  • Die Erinnerung verliert ihre gefühlte Bedrohung und damit wird eine Vermeidung überflüssig.
  • Eine selbst erlebte Methode der Verarbeitung von Grenzerfahrungen bringt für zukünftige Vorkommnisse das Selbstvertrauen, dass auch diese bewältigt werden können.
"Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll."

Georg Christoph Lichtenberg